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14.12.09 Evolution statt Revolution

So düster war die Lage der deutschen Landwirtschaft schon lange nicht mehr. Nach Auswertung von 19.000 Jahresabschlüssen verdient der Durchschnittsbetrieb monatlich nur noch 2.050 Euro brutto. Davon müssen die Bauern Neuinvestitionen und ihre Sozialbeiträge finanzieren. Gesunkene Erlöse, vor allem bei Milch, und gestiegene Betriebsmittelkosten, führten zu dem Betriebsergebnis, dass Bauernpräsident Gerd Sonnleitner zum Situationsberichtes 2010 präsentierte. Der Blick in die Zukunft bleibt finster, denn die ersten sechs Monate des aktuellen Wirtschaftsjahres zeigten keine Verbesserungen, so Sonnleitner.


Über alle Haupterwerbsbetriebe hinweg wurde ein Minus in Höhe von 11.011 Euro erwirtschaftet. Nach Sonnleitner das schlechteste Ergebnis überhaupt. In der Summe schlägt vor allem die Milch auf die Bilanzen, aber auch die gute Ernte 2009 hat mit ihren geringeren Ernteerlösen Niederschlag in den Bilanzen gefunden. Selbst die Ökobetriebe haben sich um 4.500 Euro verschlechtert. Ein Minus von fast zehn Prozent. Positive Stimmung gibt es nur auf den Veredlungsbetrieben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Wo seit Jahren die Freude nur zeitweilig Gast ist, sollte doch bei den Verbleibenden Aufbruchstimmung herrschen, Mut für neue und innovative Wege entstanden sein?
Bei den Lösungen vertraut Gerd Sonnleitner aber Vertrautem: Die Regierung berücksichtige im Koalitionsvertrag „die Lage der Landwirte“. Neues Geld in Höhe von 750 Millionen Euro wird in einem „Sonderprogramm“ verteilt und ab 2014 brauche die Landwirtschaft eine starke erste und eine gut ausgebaute zweite Säule: Marktorientierung, bäuerliches Unternehmertum und soziale Abfederung. Eine Risikoausgleichsrücklage würde die Rezeptur nur auffrischen.


Reicht das aus? Sonnleitner sieht den Bauernverband „gut aufgestellt“, weil er gegenüber anderen Verbänden und Vorstellungen „langfristig plant, solide arbeitet und realpolitisch denkt“, sagte er in Berlin. Sonnleitner will für die Zeit ab 2014 „keine Revolution, sondern eine Evolution“.
Für die Dauer einer fünften Adventskerze: Kein Koalitionsvertrag hat jemals auch nur einen Betrieb gerettet. Der neue Geldsegen wird nur innerhalb der Agrarbranche kritiklos akzeptiert, die EU schiebt konkrete Pläne für die Zeit nach 2013 weiter vor sich her und die Risikoausgleichsrücklage hat sich auf der DBV-Tagung im September auch nur als eine von mehreren Möglichkeiten entpuppt.

Roland Krieg



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