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04.01.12 DBV-Analyse
zu den Agrarmärkten 2011 und 2012
Die Agrarmärkte
waren im Jahr 2011 bei vielen Produkten recht freundlich und sicherten den
Bauern teils durchschnittliche, teils auch höhere Preise. Höhere Preise führten
jedoch nicht automatisch zu besseren Einnahmen, denn vielerorts war die Ernte
bei Getreide und Raps unterdurchschnittlich. Die gestiegenen Getreidepreise
führten auch zu höheren Futterkosten. Für viele Tierhalter war dies eine
bittere Pille. Wie vom Blitz wurde die Agrarbranche von den Dioxin- und
EHEC-Fällen getroffen. Beide Krisen zeigten mehr als deutlich, wie sensibel die
Märkte reagieren können. Gleich zweimal innerhalb eines Jahres mussten Erzeuger
für eine gewisse Zeit den Totalausfall ihrer Erlöse verkraften, obwohl sie
hierfür keinerlei Verantwortung trugen. Eine deutlichere Verbesserung bringen
die Märkte vor allem den Milchbauern. Die Nachfrage nach Milchprodukten und
auch nach Rindfleisch hat sich europaweit stabil entwickelt. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat die einzelnen Märkte bilanziert.
Milchmarkt
Beim Blick auf
das zurückliegende Jahr 2011 können die Milcherzeuger ein weitgehend positives
Resümee ziehen. Die recht stabile Lage am Milchmarkt bewirkte eine Zunahme bei
der Milcherzeugung auf rund 29,8 Millionen Tonnen Anliefermenge. Für das
Milchwirtschaftsjahr 2011/2012 ist eine Steigerung der Milchmenge möglich. Für
die Milchbauern gab es ein leichtes Plus bei den Erzeugerpreisen. Der
Jahrespreis liegt bundesweit voraussichtlich bei rund 35 Cent je Kilogramm
Milch. Parallel zu steigenden Milchpreisen wächst auch der Kostenaufwand für
die Milchproduktion. Vor diesem Hintergrund ist die nachhaltige Erholung der
Milchpreise umso wichtiger. Für 2012 ist zu erwarten, dass der Aufwärtstrend
bei der Milchproduktion anhält und der Milchmarkt im In- und Ausland relativ
stabil bleiben wird, auch wenn zu Beginn des Jahres mit einer leichten Delle
der Milchauszahlungspreise zu rechnen ist.
Schweinemarkt
Im Jahr 2011
werden die Schweineschlachtungen in Deutschland mit voraussichtlich 59,3 Mio.
Stück einen weiteren Rekordwert erreichen. Anders als in den Vorjahren wurden
jedoch deutlich weniger schlachtreife Schweine nach Deutschland geliefert,
dafür aber deutlich mehr Ferkel. Dieser Trend wird sich 2012 weiter fortsetzen.
Der Durchschnittspreis für Schlachtschweine, bezogen auf die Handelsklasse E,
wird für 2011 mit rund 1,53 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht etwa 11 Cent über
dem Vorjahr erwartet. Letztlich sind die hohen Futterkosten dafür
verantwortlich, dass trotz des guten Preisniveaus außerordentlich bescheidene
Ergebnisse in der Schweinemast und geradezu katastrophale Wirtschaftsergebnisse
in der Ferkelerzeugung zu verzeichnen sind. Im Jahr 2012 brauchen die
Schweinehalter dringend höhere Erzeugerpreise, damit die Anpassung an die
gestiegenen Futterpreise nachhaltig gelingt. Auf EU-Ebene ist ein deutlicher
Rückgang der Sauenbestände zu verzeichnen. Hält diese Entwicklung an, könnten
die Betriebsaufgaben der Sauenhalter eine Größenordnung erreichen, die 2012
erheblichen Einfluss auf die gesamte EU-Schweineproduktion haben kann. 2012
wird zudem geprägt sein von der Umstellung auf die Gruppenhaltung, die vielen
Betrieben noch einiges an Investitionen abverlangen wird.
Rindermarkt
Bei
Schlachtrindern haben sich 2011 die Erzeugerpreise gut entwickelt. Die Preise
bewegten sich bei Jungbullen mehr als 30 Cent und bei Schlachtkühen mehr als 40
Cent über dem Vorjahr. Die gute Preisentwicklung übertrug sich zum Teil auch
auf die Kälberpreise. Die Exportmöglichkeiten in die Türkei trugen zur festen
Marktlage bei. Sogar die Weltmarktpreise von Rindfleisch nähern sich inzwischen
den EU-Preisen an. Auf den Anstieg der Endverbraucherpreise bei Rindfleisch von
rund 10 Prozent reagierten die Verbraucher mit einer moderaten
Kaufzurückhaltung. Der Preiseinbruch zum Jahresende 2011 deutet aber darauf
hin, dass jetzt eine gewisse Akzeptanzgrenze erreicht ist. Für 2012 sind die
Aussichten dennoch positiv.
Geflügelmarkt
Erstmals seit
2006 wird von den Marktexperten auf dem deutschen Geflügelmarkt kein weiterer
Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs gesehen. Bei den Puten ist sowohl in
Deutschland wie auch in der EU ein leichter Rückgang zu verzeichnen. In
Deutschland stieg der Verbrauch von Hähnchenfleisch leicht an, allerdings
deutlich schwächer als in den Vorjahren. In der EU beschleunigt sich der
Verbrauch dagegen wieder. Analog zu diesen Zahlen wird auch die Entwicklung der
Erzeugung bei Hähnchen und Puten für Deutschland gesehen. Da der
Selbstversorgungsgrad für Geflügelfleisch mittlerweile 104 Prozent erreicht
hat, wird sich der Sektor im neuen Jahr verstärkt auf den Export konzentrieren
müssen.
Eiermarkt
Durch das
vorzeitige Verbot der Käfighaltung in Deutschland ist der Selbstversorgungsgrad
2010 bei Eiern auf knapp 55 Prozent zurückgegangen. Da das Käfigverbot ab 2012
auch in der übrigen EU gilt und viele Erzeuger in anderen Ländern noch nicht
umgestellt haben, richtet sich die Hoffnung der deutschen Erzeuger auf einen
besseren Markt. Entscheidend hierfür aber ist, dass das Käfighaltungsverbot
auch in den anderen EU-Mitgliedstaaten konsequent umgesetzt wird. Die
Einstallungsstatistiken aus mehreren EU-Staaten weisen bereits auf deutliche
Rückgänge hin.
Getreide- und Ölsaatenmarkt
Das zu Ende
gehende Jahr 2011 war für die deutschen Ackerbaubetriebe erneut ein
kompliziertes Jahr aufgrund anhaltender Frühjahrstrockenheit und einer
Regenzeit zur Getreideernte. In Deutschland wurden 41,4 Millionen Tonnen
Getreide geerntet. Damit wurde der mehrjährige Durchschnitt um mehr als 9
Prozent unterschritten. Auch die Ernte von Winterraps verzeichnete in 2011
massive Einbrüche. Zuerst verringerte sich die Rapsanbaufläche, hinzu kamen
deutliche Ertragsverluste, so dass nur etwa 3,86 Millionen Tonnen Winterraps
geerntet wurden. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Minderernte von
gut 32 Prozent. Mit Blick auf das Jahr 2012 hoffen die Erzeuger auf eine
Wiederbelebung des Handels, zumal nicht von einer ausreichenden Rohstoffdeckung
der Mühlen bis zur Ernte 2012 ausgegangen werden kann. Langfristig könnte ein
Aufwärtstrend der Notierungen auch aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage
erhalten bleiben. Nach den jüngsten Veröffentlichungen der weltweiten
Fundamentaldaten erscheint allerdings ein kurzfristiger Anstieg der Notierungen
weniger wahrscheinlich.
Kartoffeln
Das Jahr 2011
war auch für die Kartoffelanbauer ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Den guten
Pflanzbedingungen im Frühjahr folgten Trockenheit im Frühsommer und Nässe
während der Ernte. Mit einer Gesamternte von 11,9 Millionen Tonnen liegt die
Erntemenge um 18 Prozent höher als im Vergleich zum Vorjahr. Durch den geringen
Knollenansatz brachten die gerodeten Kartoffeln insgesamt große Kaliber hervor,
deren Absatz nicht ganz reibungslos verläuft. Mit Blick auf die Vermarktung
bleibt festzuhalten, dass der Absatz der Frühkartoffeln sehr spät begann, da
Ware aus Südeuropa lange vom Lebensmitteleinzelhandel bevorzugt angeboten
wurde. Die Entwicklung der Erzeugerpreise im Verlauf des Jahres verlief für die
Anbauer nicht zufriedenstellend. Für 2012 ist von einer verhaltenen
Anbauplanung auszugehen.
Obst- und Gemüsemärkte
Mitte 2011 traf
die EHEC-Krise die Obst- und Gemüsebauern so hart wie zuletzt die
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Bis zum Jahresende hatten sich die
Gemüsemärkte von dem Schock nicht wirklich erholt. Inzwischen stehen zumindest
die Zeichen beim Lagergemüse wie Kohl, Möhren, Sellerie, Wirsing, Weiß- und
Rotkohl recht freundlich. Durch die Witterung konnten vergleichsweise gute
Ernten eingefahren werden und die Abverkäufe erfolgten mit durchschnittlichen
Preisen. Lediglich bei Zwiebeln können die Preiserwartungen wegen der großen
Erntemengen nicht befriedigen. Auch bei Lagermöhren könnte sich zum Ende der
Saison noch ein Überhang ergeben. Bei Äpfeln ist
die Vermarktungssaison zögerlich angelaufen, die Preise sind leicht niedriger
als im Vorjahr. Für das neue Jahr wird bei Kernobst ein stärkerer Abverkauf
erforderlich sein, wobei die Preiserwartungen leicht optimistisch eingeschätzt
werden können. Gegenüber dem Vorjahr lagern zwar rund 20 Prozent mehr Äpfel in
den Lagern, gegenüber 2007 und 2008 bedeutet das allerdings immer noch eine
geringere Menge. Zudem ist zu bedenken, dass seit 2007 deutlich mehr moderne
Lagerkapazitäten mit kontrollierter Atmosphäre geschaffen wurden, so dass die
Qualität der eingelagerten Äpfel deutlich besser geworden ist.
Ökomarkt
2011 war für den
Ökomarkt wieder ein Boomjahr mit fast 10 Prozent Umsatzzuwachs, nach zwei
Jahren mit sehr geringem Wachstum. Damit wächst der Bio-Markt in einem
ansonsten stagnierenden Lebensmittelmarkt weiter. Langfristig haben
Öko-Landwirte aus Deutschland jedoch Marktanteile verloren. Während sich der
deutsche Ökomarkt von etwa 2 Mrd. Euro Umsatz auf über 6 Mrd. Euro Umsatz
verdreifachte, hat sich die Anbaufläche hierzulande nur verdoppelt. Eher
schleppend verläuft die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung insbesondere bei
guten Ackerstandorten. Da die Preisabstände von Öko zu konventioneller Rohware,
außer bei Milch und Rindfleisch, seit 2011 wieder zunehmen, ist für 2012 aber
wieder mit einer zunehmenden Umstellung zu Öko-Bewirtschaftung auszugehen.
Dafür müssen aber auch die Umstellungsbedingungen stimmen. In einigen
Bundesländern wird derzeit keine Ökoprämie für neu umstellende Landwirte gewährt.
DBV
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